Zusatzrundgang

Die Zeitung

Sie ist jeden Tag neu und am nächsten Tag schon alt: die Zeitung. Im Zusatzrundgang erfährst du, wer sie macht, verkauft, austrägt und liest, vom ersten Wochenblatt bis zur Meldung am Bildschirm.

Im Hauptrundgang taucht die Zeitung immer wieder auf: 1605 in Straßburg, 1814 in der Druckerei der Times, später an der Setzmaschine. Hier steht sie selbst im Mittelpunkt, als Ding des Alltags. Sie wird geschrieben, gesetzt, gedruckt, ausgerufen und ausgetragen, am Kiosk gekauft und im Kaffeehaus in einen Halter aus Holz gespannt.

Das Wort ist älter als jedes Blatt: Zeitung heißt zuerst einfach Nachricht. Erst als Nachrichten regelmäßig gedruckt werden, wird daraus der Name für das Papier, auf dem sie stehen. Dieser Rundgang ist noch im Aufbau. Einige Säle haben schon ihre ersten Stationen, andere werden gerade eingerichtet.

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Säle

  1. Bevor es Zeitungen gab59 v. Chr. – um 1600
  2. Die ersten Zeitungen1605 – 1800
  3. Die Zeitung für alle1800 – 1900
  4. Zwischen Propaganda und Pressefreiheit20. Jahrhundert
  5. Kiosk, Trafik, Kaffeehaus1784 bis heute
  6. Die Zeitung am Bildschirmseit den 1990er-Jahren

59 v. Chr. – um 1600

Bevor es Zeitungen gab

Neuigkeiten gibt es, seit Menschen miteinander reden. Wer mehr wissen will als die Nachbarn, braucht aber Boten, Briefe und Aushänge. In Rom lässt Caesar die Beschlüsse des Senats öffentlich machen, Kaufleute schreiben einander Nachrichtenbriefe, und mit dem Buchdruck kommen einzelne Blätter über Schlachten, Kometen und Wunder in Umlauf. Was noch fehlt, ist der feste Takt.

In diesem Saal wird noch eingerichtet. Bald stehen hier die ersten Stationen.

1605 – 1800

Die ersten Zeitungen

Im 17. Jahrhundert kommt der Takt: Jede Woche erscheint ein Blatt, ob etwas Großes geschehen ist oder nicht. Die Nachrichten reisen mit der Post und sind oft Wochen alt, wenn sie in Druck gehen. Wer eine Zeitung herausgeben will, braucht ein Privileg der Obrigkeit, und die Obrigkeit liest mit.

  1. 1605

    Die Relation

    Ihr voller Titel ist schon ein kleiner Artikel: „Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien“, also ein Bericht über alle wichtigen und denkwürdigen Begebenheiten. Johann Carolus gibt sie in Straßburg heraus, spätestens ab Herbst 1605, jede Woche ein Heft.

    Die Nachrichten kommen von Berichterstattern in Städten wie Köln, Wien, Prag, Venedig und Rom, mit der Post geschickt. Jede Meldung beginnt mit dem Ort, aus dem sie stammt, und dem Datum. So liest du, was vor zwei oder drei Wochen in Venedig erzählt wurde. Für die Menschen damals war das schnell.

  2. 1703

    Das Wiennerische Diarium

    Am 8. August 1703 erscheint in Wien die erste Ausgabe des Wiennerischen Diariums. Herausgeber, Redakteur und Drucker ist Johann Baptist Schönwetter, der dafür ein Privileg erhalten hat. Das Blatt berichtet vom Hof und aus aller Welt.

    1780 bekommt es den Namen, unter dem es berühmt wird: Wiener Zeitung. Sie wird zur Zeitung des Staates, mit einem Amtsblatt, in dem Behörden und Firmen ihre Bekanntmachungen veröffentlichen. Gedruckt erscheint sie bis 2023, 320 Jahre nach der ersten Ausgabe.

1800 – 1900

Die Zeitung für alle

Dampfpressen, Papier aus Holz und die Setzmaschine machen die Zeitung billig. In New York kostet sie bald nur einen Cent, und verkauft wird sie auf der Straße, oft von Kindern. Wer viele Leserinnen und Leser will, braucht große Schlagzeilen. Manchmal ist dabei eine gute Geschichte wichtiger als eine wahre.

  1. 1835

    Die Mondente

    Am 3. September 1833 bringt Benjamin Day in New York die Sun heraus. Sie kostet einen Cent, ein Bruchteil dessen, was andere Tageszeitungen verlangen, und Jungen verkaufen sie auf der Straße. Sie gilt als erste erfolgreiche „Penny Press“: Zeitungen für Arbeiter und Handwerker, voller Verbrechen, Klatsch und Sensationen.

    Ab dem 25. August 1835 druckt die Sun eine Serie in sechs Teilen. Der berühmte Astronom John Herschel, der damals tatsächlich am Kap der Guten Hoffnung beobachtet, habe mit einem riesigen Fernrohr Leben auf dem Mond entdeckt: Wälder, Einhörner und Wesen mit Fledermausflügeln. Angeblich stammt alles aus einer Beilage des Edinburgh Journal of Science, das es zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr gibt.

    Viele glauben es, die Sun verkauft sich glänzend. Geschrieben hat die Serie nach allem, was man weiß, der Reporter Richard Adams Locke; Herschel selbst hatte damit nichts zu tun.

  2. 1899

    Der Streik der Zeitungsjungen

    Die Abendzeitungen in New York verkaufen vor allem Kinder, die meisten aus armen Einwandererfamilien. Sie kaufen hundert Zeitungen für 50 Cent und verkaufen jede für einen Cent. Was sie nicht loswerden, bleibt ihr Schaden. Als der Krieg mit Spanien 1898 die Auflagen hochtreibt, verlangen mehrere Verlage 60 Cent für hundert Stück. Nach dem Krieg bleiben die World von Joseph Pulitzer und das Journal von William Randolph Hearst bei diesem Preis.

    Im Juli 1899 reicht es den Zeitungsjungen. Sie gründen eine Gewerkschaft, verkaufen World und Journal nicht mehr und halten auch andere davon ab. Bei einer Versammlung am 24. Juli kommen Tausende Kinder zusammen, einer ihrer Wortführer heißt Kid Blink. Nach rund zwei Wochen gibt es einen Kompromiss: Der Preis bleibt, aber die Verlage nehmen unverkaufte Zeitungen zurück.

20. Jahrhundert

Zwischen Propaganda und Pressefreiheit

Im 20. Jahrhundert merken Regierungen, wie viel Macht in Druckerschwärze steckt. Diktaturen bringen die Zeitungen auf Linie, Demokratien streiten darüber, wie weit die Freiheit der Presse reicht. Und jede Nacht laufen die Rotationen, damit am Morgen das Neueste auf dem Tisch liegt.

In diesem Saal wird noch eingerichtet. Bald stehen hier die ersten Stationen.

1784 bis heute

Kiosk, Trafik, Kaffeehaus

Eine Zeitung muss zu den Menschen kommen. Sie wird auf der Straße ausgerufen, vor Sonnenaufgang ausgetragen, am Kiosk verkauft und in der Trafik neben Fahrscheinen und Briefmarken. Im Kaffeehaus hängt sie im Halter und wird von vielen gelesen, die sie nie gekauft haben. Dieser Saal erzählt vom Alltag der Zeitung.

  1. 1784

    Die Trafik

    1784 macht Kaiser Joseph II. den Tabak in Österreich zum Monopol des Staates. Verkaufen darf ihn nur, wer eine Erlaubnis bekommt, und diese Erlaubnis geht schon damals bevorzugt an Kriegsversehrte und Kriegerwitwen. Seit 1979 kommen auch Menschen mit Behinderung zum Zug, die nicht im Krieg verletzt wurden.

    So wird die Trafik zum kleinen Laden an der Ecke, in dem du weit mehr bekommst als Zigaretten: Zeitungen und Zeitschriften, Fahrscheine, Briefmarken, Lose. 2024 führen in Österreich mehr als 1.200 Menschen mit Behinderung eine Trafik.

seit den 1990er-Jahren

Die Zeitung am Bildschirm

In den 1990er-Jahren gehen die ersten Zeitungen ins Netz, zuerst mit dem, was ohnehin gedruckt wurde. Heute erscheinen Meldungen im Minutentakt, und viele Verlage fragen sich, ob sich Papier noch lohnt. Manche Blätter hören ganz auf, andere drucken nur noch selten.

  1. 2023

    Die letzte Ausgabe

    Am 30. Juni 2023 erscheint die Wiener Zeitung zum letzten Mal als gedruckte Tageszeitung, 320 Jahre nach dem Wiennerischen Diarium. Bezahlt hat sie sich lange vor allem durch Pflichtveröffentlichungen: Firmen mussten etwa ihre Jahresabschlüsse im Amtsblatt der Zeitung bekannt machen, gegen Gebühr.

    Ein neues Gesetz schafft diese Pflicht ab. Seit dem 1. Juli 2023 stehen solche Bekanntmachungen auf einer Plattform des Bundes im Netz, und der Zeitung fehlt der Großteil ihrer Einnahmen. Die Wiener Zeitung gibt es weiter, seitdem aber vor allem online.

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